Im Jahr 1966 wurde das Museum an seinem Standort am Hohen Ufer eröffnet. Aktuell muss das Gebäude umfassend saniert werden und bleibt für mehrere Jahre geschlossen. In dieser Zeit ist der Hannover Kiosk an der Karmarschstraße Treffpunkt und Lernort zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Hannovers. Als ‚Museum auf Zeit‘ dient er dazu, das Stadtmuseum der Zukunft zu erproben und Erfahrungen für die zukünftige Dauerausstellung des Historischen Museums zu sammeln.

 

Die Ortswahl des 1966 eröffneten Museumsgebäudes war kein Zufall, vielmehr war der Standort mit großer Bedeutung aufgeladen: Hier wurde eine der Keimzellen der Entstehung Hannovers verortet. Städtebaulich bildet das Gebäude nach dem Entwurf von Architekt Dieter Oesterlen zudem den Abschluss der „Traditionsinsel Altstadt“. Mit Beginenturm und Zeughaus bezieht es selbst historische Gebäude und Bausubstanz mit ein.

Das Gebäude war auch ein Statement für eine programmatische Ausrichtung des Museums. Anders als die Museumsarchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sollte es kein „Musentempel“ sein, sondern ein zugängliches, eher nüchternes Gebäude. Mit großen Fensteröffnungen und zahlreichen Sichtbeziehungen zwischen Museums- und Stadtraum strahlte es Offenheit aus. In diesem Geiste sollte es ein demokratisches Museum sein, ein Museum, in dem die Stadtbevölkerung eingeladen ist, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Damit waren Gebäude und Programm ihrer Zeit voraus. In den späten 1960er und 1970er Jahren setzte sich in der Bundesrepublik ein neues Verständnis von Historischen Museen als Orte der Bildung und des Diskurses über Geschichte durch, das sich dann auch auf andere Neubauten wie dem des Historischen Museums Frankfurt a.M. auswirkte.

Das Haus am Hohen Ufer, mit dem das Museum den Namen „Historisches Museum“ erhielt, war freilich keine völlig neue Einrichtung für die Geschichtskultur Hannovers. Die Geschichte des Museums begann bereits 1903, mit der Gründung des „Vaterländischen Museums“, das in der Cumberland-Galerie untergebracht war. Es folgten mehrere Ortswechsel und Neuausrichtungen, die sich auch in programmatischen Umbenennungen spiegelten: 1937 in das „Niedersächsische Volkstumsmuseum“ und 1952 in das „Niedersächsische Heimatmuseum“. Das 1966 in Hannover eröffnete „Historische Museum“ war damit bereits die vierte grundlegende Neuaufstellung des Museums mit seinen stadtgeschichtlichen, landesgeschichtlichen und volkskundlichen Sammlungsbeständen.

Mit Blick auf seine Inhalte erlebte das Historische Museum auch am Standort Hohes Ufer immer wieder programmatische Neuausrichtungen und Erweiterungen. War anfangs die Präsentation der Objekte vor allem auf ihren ästhetische Schauwert und die Inszenierung als faszinierende Zeugen der Vergangenheit ausgerichtet, wurden später mehr die Darstellung historischer Kontexte und die Einordnung des Gezeigten in den Zusammenhang historischer Narrative in den Vordergrund gerückt.

Aufsehen erregte das Museum in der Fachwelt wie in der Stadt damit, dass es sich schon sehr früh intensiv mit dem Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit beschäftigte. Dazu hat es mit Unterstützung der Bevölkerung gesammelt und ausgestellt (beispielsweise 1978 mit einer Ausstellung zum 40. Jahrestag des Pogroms vom 9. November 1938). Zeitgeschichte im Museum auszustellen war damals ein neuer Ansatz, der erneut das Museum als Ort demokratischer Bildung und kritischer Auseinandersetzung mit Geschichte betont hat.

Die aktive Beteiligung der Stadtbevölkerung an der Sammlung und Darstellung ihrer eigenen Geschichte blieb als Ansatz weiter bestehen und fand besonders seit den 2010er Jahren immer mehr Raum im Museum. Das Historische Museum Hannover gehörte zu den Museen, die sich bereits früh mit der partizipativen Museumsarbeit befasst haben. Ausstellungen wurden mit Gruppen der Stadtgesellschaft erarbeitet, um möglichst viele Geschichten über die Stadtgeschichte zu erzählen und möglichst viele Perspektiven auf die Geschichte und das Leben in der Stadt anzubieten.

Mit der Schließung des Museumsgebäudes im November 2023 und dem Beginn der langjährigen Sanierung tritt das Museum wieder in eine neue Phase ein: Nun ist es mit „Geschichte unterwegs“, macht also Ausstellungen und Veranstaltungen im Stadtraum und bei Partner-Institutionen in der Stadt. Das Museumsgebäude ist zu, aber das Museum kommt mit seinen Inhalten trotzdem zu den Menschen. Dazu betreibt das Team des Historischen Museums – neben dem weiterhin offenen Schlossmuseum Herrenhausen – seit September 2024 den „Hannover Kiosk“. Dieser dient als Ort der niedrigschwelligen Vermittlung von Hannovers Geschichte und zugleich als Experimentierraum für das zukünftige Museum.

So bleibt das Historische Museum in seiner Ausrichtung für die Zukunft seinen eigenen Traditionen treu: Das neue Museum am alten Standort und im sanierten alten Gebäude wird aktiv die wieder herausgestellten architektonischen Implikationen von Zugänglichkeit und Transparenz aufgreifen. Es wird ein Museum sein, das die Menschen der Stadt einbezieht und Inhalte vermittelt, die mit den Menschen der Stadt erarbeitet wurden. Ein Museum für alle und von allen.

 

Zeitleiste

26.04.1903Als Vorläufer des Historischen Museums Hannover wird in den Räumen der Cumberland-Galerie das „Vaterländische Museum“ eröffnet.
28.06.1937Wiedereröffnung des Vaterländischen Museums als „Niedersächsisches Volkstumsmuseum“. Durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg wird es 1943 zerstört.
1950Das „Niedersächsische Volkstumsmuseum“ wird umbenannt in „Niedersächsisches Heimatmuseum der Hauptstadt Hannover“. Eröffnung der ersten Nachkriegsausstellung 1952 im Gebäude an der Prinzenstraße.
21.10.1966Eröffnungstag des Historischen Museums am Hohen Ufer (Architekt: Dieter Oesterlen). Neuaufstellung der drei Abteilungen Stadtgeschichte, Landesgeschichte, Volkskunde.
11.04. – 11.06. 1978Ausstellung „Hannover im 20. Jahrhundert“, Beginn einer Reihe zeitgeschichtlicher Ausstellungen.
7.11.1978 – 21.01.1979Ausstellung „Reichskristallnacht in Hannover“ zum nationalsozialistischen Novemberpogrom 1938.
04.12.1981 – 07.03.1982Ausstellung „Hannover 1933 – Eine Großstadt wird nationalsozialistisch“, – bundesweit eine der ersten zum Thema.
01.01.1991Das Historische Museums wird wegen Umgestaltung der Stadtgeschichtlichen und Volkskundlichen Abteilung geschlossen.
21.10.1991Wiedereröffnung des Historischen Museums mit wesentlich vergrößerter Stadtgeschichtlicher Abteilung, die nun bis in die Gegenwart reicht, und umgestalteter volkskundlicher Abteilung.
04.05.2000Einweihung des Lichtkunstwerks des amerikanischen Konzept-Künstler Joseph Kosuth an der Kutschenhalle des Historischen Museums.
14.05.2013Eröffnung des Museums Schloss Herrenhausen als Außenstelle des Historischen Museums Hannover.

28.6.2014

 

 

31.08. 2016 – 06.08.2017

Der an das Museumsgebäude angrenzende Beginenturm ist nach einer denkmalgerechten Sanierung als begehbares Exponat der Öffentlichkeit zugänglich.

Sonderausstellung „Typisch Hannover!?“ als Werkstatt-Ausstellung über das Selbstverständnis, die Besonderheiten und Merkwürdigkeiten der Landeshauptstadt.

Juni 2017Die Dauerausstellungen des Historischen Museums werden wegen schwerer baulicher Mängel für das Publikum geschlossen. Weiterhin werden Sonderausstellungen im Erdgeschoss und in der Kutschenhalle gezeigt.
26.03. – 29.08.2021Sonderausstellung „Ausblicke – Einblicke. Die Zukunft des HMH“.
19. 05. 2022Grundsteinlegung für das neue Sammlungszentrum der Landeshauptstadt Hannover an der Vahrenwalder Straße
13.07.2022  – 31.10.2023Sonderausstellung „Von goldenen Kutschen und kolonialer Vergangenheit: Hannover, England und die Sklaverei“ in der Kutschenhalle.
November 2023Schließung des Historischen Museums am Hohen Ufer: Es beginnen die  Vorbereitungen des Umzugs der Sammlungsbestände ins neue Sammlungszentrum. Das Team des Historischen Museums unter Leitung der neuen Direktorin Anne Gemeinhardt bringt mit der Reihe „Geschichte unterwegs“ seine Exponate und Angebote in der Stadt und die Stadtteile.
28.08.2024Der „Hannover Kiosk“ an der Karmarschstraße 40 wird als Interimsstandort des Historischen Museums Hannover eröffnet.
08.05.2025Der Umzug von vier Kutschen aus der Halle des Historischen Museums in das Schlossmuseum Herrenhausen wird abgeschlossen.
02.07.2025Das Museum Schloss Herrenhausen wird nach einer Neugestaltung mit der Ausstellung „Vier Kutschen, ein Königreich. Hannover 1814-1866“ und einem neuen Eingangsflügel direkt in den Großen Garten wiedereröffnet.
Juni 2026Der Umzug der ungefähr 250.000 Sammlungsobjekte des Historischen Museums Hannover in die 20.600 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Schatzkammer des neuen Sammlungszentrums an der Vahrenwalder Straße ist weitgehend abgeschlossen.
27.2.  – 22.11.2026Sonderausstellung „Unsere Hannover – Schwarze Geschichten“ im Hannover Kiosk.